Wer unterstützt mich bei der Versorgung?

Wenn Patienten sich über einen längeren Zeitraum mit diffuser Symptomatik und unklaren Befunden präsentieren, müssen Ärzte und Ärztinnen auch Seltene Erkrankungen (SE) in Betracht ziehen. Nationale und internationale Anlaufstellen unterstützen Ärzte und Ärztinnen bei der Diagnostik und Versorgung Seltener Erkrankungen. Ärzte und Ärztinnen können sich direkt dorthin wenden.

Anlaufstellen für die Diagnostik von SE

Diese Anlaufstellen können helfen, wenn Sie eine Seltene Erkrankung bei einem Patienten vermuten.

Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE)

In Deutschland haben sich mehrere Zentren auf die Diagnostik und Behandlung von SE spezialisiert. Jedes Zentrum deckt dabei eine bestimmte Gruppe von Erkrankungen ab. Die gute Vernetzung untereinander ermöglicht es, dass die Patientinnen und Patienten bei entsprechender Diagnosestellung auch an andere ZSE überwiesen werden können. Bei Verdacht auf eine Seltene Erkrankung, aber unklarer Diagnose bieten sogenannte Referenz- oder A-Zentren eine Abklärung an. Diese Zentren sind in der Regel an Universitätskliniken angegliedert. Hierzu haben die Zentren strukturierte Abläufe etabliert, die nach Sichtung der Akten u. a. die Vorstellung in einer Sprechstunde für unklare Diagnosen und auch interdisziplinäre Fallbesprechungen bzw. -konferenzen umfassen können. Mehr über Leistungen von ZSE erfahren

Anlaufstellen für die Behandlung von SE

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) 

Die ASV ist ein Versorgungskonzept u. a. für Menschen mit SE. Sie wurde im April 2013 auf Grundlage von §116 b SGB V eingeführt. Die ASV ist nur für ausgewählte Indikationen vorgesehen. Um welche es sich handelt, hat der Gesetzgeber in §116 b SGB V festgelegt. 
Ehe ein Patient, eine Patientin an die ASV überwiesen werden kann, muss zumindest eine Verdachtsdiagnose vorliegen.
Mehr über Leistungen der ASV erfahren 

Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE) 

Außer für die Diagnosestellung sind die Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE) auch für die Behandlung von Menschen mit Seltenen Erkrankungen zuständig. Bei bekannter Diagnose bieten krankheits(gruppen)spezifische Fachzentren eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Betreuung im ambulanten und stationären Bereich. Neben der Patientenbetreuung entsprechend den aktuellsten Leitlinien und Standards betreiben diese Zentren auch krankheitsspezifische Forschung. Die Überweisung an ein Fachzentrum ist nur mit entsprechender gesicherter Diagnose möglich.
Mehr über die Leistungen von ZSE 

Referenznetzwerke für SE 

Referenznetzwerke wurden von der Europäischen Union ins Leben gerufen, um das Wissen über die Diagnostik und Behandlung von SE zu bündeln, auszutauschen und zu vernetzen. Europäische Referenznetzwerke (ERN) sollen Menschen mit SE einen schnelleren Zugang zu einer geeigneten Versorgung ermöglichen. Daneben sind sie für die Entwicklung von Leitlinien, Standards und Weiterbildungsangeboten für Fachpersonal zuständig.
Deutsche Referenznetzwerke (DRN) haben sich in Anlehnung an die ERN als nationale Referenznetzwerke für Seltene Erkrankungen gebildet. Sie können als Schnittstelle zwischen ERN und Behandlern wirken.
Mehr zu den Aufgaben und Leistungen von Referenznetzwerken 

Fachinformationen und Leitlinien für SE

In Internet bieten verschiedene Quellen Fachinformationen zu SE an.

Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE)  

Die ACHSE ist der Dachverband von und für Menschen mit chronischen Seltenen Erkrankungen und deren Angehörige in Deutschland mit mehr als 130 Patientenorganisationen. Für Ärzte und Ärztinnen bietet die ACHSE Beratungsgespräche mit einer Lotsin an. Diese unterstützt im Umgang mit SE, etwa indem sie aktuelle Literatur dazu recherchiert oder mit geeigneten Experten und Expertinnen vernetzt. Dazu nutzt die Lotsin regionale, nationale und internationale Kontakte.
Mehr zur ACHSE-Lotsin

Orphanet  

Orphanet ist ein kostenfreies Informationsportal über SE und Orphan Drugs. Außer Fachinformationen zu einzelnen Erkrankungen präsentiert die Seite die Orphanet-Nomenklatur der Seltenen Krankheiten (ORPHAcode), die die Sichtbarkeit von Seltenen Krankheiten in Informationssystemen von Gesundheits- und Forschungseinrichtungen erhöhen soll. Auf Orphanet finden sich zudem Leitlinien für die Notfallmedizin, Anästhesie und klinische Versorgung von SE sowie Informationen über Expertenzentren, medizinische Labore, laufende Forschungsprojekte, klinische Studien, Register, Netzwerke, Technologieplattformen und Patientenorganisationen aus jedem Land des Orphanet-Konsortiums. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können über Orphadata auf wiederverwendbare Datensätze für ihre Forschung zugreifen.
Zum Portal Orphanet

SE-Atlas

Der SE-Atlas ist eine Informationsplattform über Versorgungsmöglichkeiten für Menschen mit SE in Deutschland. Er entstand im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Menschen mit Seltenen Erkrankungen. Versorgungseinrichtungen und Patientenorganisationen können sowohl in einer interaktiven Kartenansicht als auch in Form einer Auflistung dargestellt werden. Der SE-Atlas richtet sich vorrangig an Betroffene, Angehörige, Ärztinnen und Ärzte und nichtmedizinisches Personal.
Zum SE-Atlas 

Anlaufstellen für Patienten und Patientinnen mit SE

Patienten und Patientinnen mit SE haben oft einen hohen Bedarf an Unterstützung und Betreuung, der im Praxisalltag für gewöhnlich nicht ausreichend gedeckt werden kann. Um diese Lücke zu schließen, können Ärzte und Ärztinnen geeignete Anlaufstellen für Patienten empfehlen.

Selbsthilfegruppen 

Für Menschen mit SE kann die Selbsthilfe eine wichtige Stütze sein. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft, das Gefühl der Isolation zu durchbrechen und mit den Herausforderungen der SE umzugehen. Betroffene nutzen die Gruppen dabei als Informationsquelle über ihre Erkrankung und die medizinische Versorgung. Sie bieten aber auch die Chance, sich im intimen, sicheren Rahmen über persönliche Fragen zum speziellen Krankheitsbild auszutauschen und Bewältigungsstrategien zu erlernen.
Welche weitere Unterstützung die Selbsthilfe bei Versorgung von SE  bietet.

Quellen und Hinweise

Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.

Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen e.V. (ACHSE). ACHSE-Beratung für Betroffene und Angehörige; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.achse-online.de/de/was_tut_ACHSE/unterstuetzen.php [17.11.2024].

Biehl L, Heider N, Mann Mirjam. Selbsthilfe bei Seltenen Erkrankungen. In: Mücke M, Conrad R, Hrsg. Seltene Erkrankungen - Das Wichtigste für Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen. 1. Auflage. München: Elsevier GmbH; 2021. S. 139–148.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Über Orphanet; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Kooperationen-und-Projekte/Orphanet/Orphanet-International/Allgemeines/_node.html [11.11.2024].

Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung nach § 116b SGB V vom 31.03.2013 (BAnz AT 19.07.2013 B1), die zuletzt am 21. März 2024 (BAnz AT 23.08.2024 B3) geändert worden ist.

Haase J, Wagner TOF, Storf H. se-atlas – Versorgungsatlas für Menschen mit seltenen Erkrankungen : Unterstützung bei der Recherche nach Versorgungseinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2017; 60(5):503–9. doi: 10.1007/s00103-017-2529-6.

Hebestreit H. Zentren für Seltene Erkrankungen – Strukturen, Aufgaben und Netzwerke. Gefasschirurgie 2021; 26(8):577–82. doi: 10.1007/s00772-021-00813-w.

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Ambulante spezialfachärztliche Versorgung: Interdisziplinär in Praxen und Kliniken; 2024. Verfügbar unter: https://www.kbv.de/media/sp/PraxisWissen_ASV.pdf [11.11.2024].

Stiftung Gesundheitswissen. Screening der Websites der Zentren für Seltene Erkrankungen in Deutschland: Quellennachweis mit Übersicht über methodisches Vorgehen; 2025. Verfügbar unter: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/ld/loom-dam?file=/system/files/2025-04/SelteneEkrankungen-Screening-Quellennachweis-ZSE-2025.pdf [05.06.2025].

Universitätsklinikum Frankfurt. se-atlas: Kartierung von Versorgungseinrichtungen und Patientenorganisationen für Menschen mit Seltenen Erkrankungen; ohne Jahr. Verfügbar unter: https://www.se-atlas.de/ [11.11.2024].

Unsere Angebote werden regelmäßig geprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst. Eine umfassende Prüfung findet alle drei bis fünf Jahre statt. Wir folgen damit den einschlägigen Expertenempfehlungen, z.B. des Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.

Informationen dazu, nach welchen Methoden die Stiftung Gesundheitswissen ihre Angebote erstellt, können Sie in unserem Methodenpapier nachlesen.

Autoren und Autorinnen:
Jochen Randig
Jochen Randig

Jochen Randig

Senior-Multimedia-Producer
Jochen Randig ist Kommunikationswissenschaftler mit Schwerpunkt Bewegtbild. Für die Stiftung konzipiert er multimediale Formate und ist für die Qualitätssicherung und Dienstleistersteuerung in diesem Bereich zuständig.
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Johanna Lindner
Porträtfoto Johanna Lindner

Johanna Lindner

Johanna Lindner ist Gesundheitswissenschaftlerin (MScPH). Sie erstellt wissenschaftliche Inhalte für multimediale Informationsangebote der Stiftung und ist an der Entwicklung und Pflege der Datenbanken der Stiftungsangebote beteiligt
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Lisa-Marie Ströhlein
Lisa-Marie Ströhlein

Lisa-Marie Ströhlein

Medical Writerin
Lisa-Marie Ströhlein studierte Medizinische Biologie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation. Für die Stiftung bereitet sie komplexe medizinische Themen und Inhalte in laienverständlicher Sprache auf.

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Erstellt am: 13.02.2025